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12. December 2012

Da hat Google ja mal wieder was angerichtet! Letzte Woche zum Nikolaustag ist Google+ um eine auf den ersten Blick unscheinbare Funktion erweitert worden: die Communities. Es ist eigentlich nur eine Erweiterung der Circles, aber dadurch ist Google+ zu einem mächtigen Diskussionsforum-Provider geworden – seit ein paar Tagen sprießen die Communities wie verrückt aus dem Boden und wahrscheinlich wird es noch einige Zeit dauern, bis sich alles etwas beruhigt hat. Aber der allgemeine Enthusiasmus ist ansteckend und ich überlege schon seit Tagen, wo ich mitmachen soll… ich nenne sowas einen Timesink, eine Beschäftigung die ganz schön Zeit rauben kann, aber auch wirklich interessant und nützlich sein kann.

Mal schauen, wie das weitergeht. Weder Google+ noch die Communities sind aber das Ende von der traditionellen Webseite – die meisten Leute, die bei Google+ posten, haben ihre eigenen Seiten und nutzen den Dienst zur Vernetzung. Man muß ja nicht seinen Content komplett auf die Google-Server verlegen, ganz im Gegenteil! Verlinken und Entdecken ist alles, aber es gibt auch denjenigen eine Chance mitzumachen, die nicht die Möglichkeit oder Zeit haben, sich um eine eigene Webseite zu kümmern. Ich halte das mit meinen Sachen so, daß ich grundsätzlich nur Links oder bei Fotos Previews poste und den kompletten Content dann auf meinem eigenen Webspace lasse – ich denke, das ist ein guter Kompromiß.

Natürlich hat Google mit den Communities nicht irgendwas völlig neues erfunden. In den neunziger Jahren hat man sich in Mailboxen und im Fidonet getroffen, dann später im Usenet und dann in verschiedenen Webforen, wobei letztere beide ja immer noch ganz lebendig sind. Es ist aber ganz logisch, daß ein Dienst wie Google+ auch eine Foren-Funktion mitbringt, mit deren Hilfe sich die User noch besser untereinander austauschen können. Ich denke, daß ganze wird noch eine riesige Eigendynamik entwickeln, wenn sich der erste Sturm etwas gelegt hat.Zur Anarchie werden die Communities bestimmt nicht, denn so etwas hat sich schon immer selbst reguliert und jede Gruppe hat ja auch enen Besitzer und Moderatoren.

Wer sich aber darüber beschwert, daß Google nur Daten sammeln will und für alle seine Dienste jetzt nur noch einen Login mit Realnamenpflicht eingeführt hat, dem kann ich nur sagen: es wird niemand gezwungen, sich bei Google zu registrieren. Es ist ein Angebot einer kommerziellen Firma,  das niemandem aufgezwängt wird, der nicht mit den Nutzungsbedingungen einverstanden ist.  Realnamenpflicht hatte es schon vor zwanzig Jahren im Fidonet gegeben, wer anonym herumstänkern will, muß sich halt einen anderen Marktplatz zum herumschreien aussuchen.

Einen Nachteil haben die Google+ Communities aber noch: bis jetzt gibt es sie nur in der Desktop Version und noch nicht in den mobilen Apps. Aber ich schätze, daß Google daran noch vor Ende des Jahres etwas ändern wird. [Update vom 15.12.: Das ging schneller, als ich gedacht hatte – Version 3.3 der Android-App hat jetzt auch die Communities drin und es hat gestern auch viele andere Updates nicht nur in den Mobile-Apps gegeben!]

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Science & Astronomy
5. December 2012

cAuf dem Herbsttreffen der American Geophysical Union ist wirklich was los. Gestern hatte die NASA die lang erwartete Ankündigung der zuerst für eine Sensation gehaltenen Proben-Ergebnisse des Curiosity Rovers gemacht, die aber dann doch nicht so interessant waren. Heute kam dann die überraschende Meldung, daß es 2020 noch einen neuen Mars-Rover geben wird! Anscheinend wird es wohl eine Neuauflage des Mars Science Laboratory werden, nachdem sich dieser in seiner ersten Version bisher so gut bewährt hat. Aber hat die NASA überhaupt Geld dafür?

Tatsächlich ist die geplante Version 2.0 von Curiosity schon immer im NASA-Budget abgedeckt gewesen – Casey Dreier von der Planetary Society hat einen interessanten Artikel darüber geschrieben, in dem klar wird, daß das NASA-Budget zwar nächstes Jahr drastische Einschnitte haben wird, aber ab 2016 wieder steigen wird. Es werden auch keine anderen Programme gekürzt, sondern nur Gelder eingesetzt, die sowieso schon für eine neue Mars-Mission eingeplant waren. Natürlich besteht das Mars-Programm der NASA nicht nur aus dem Rovern, denn da sind auch noch die nächstes Jahr startende MAVEN-Mission und viele andere. Zurecht ist aber vielleicht die Kritik, daß sich die NASA ein bißchen zu stark um den Mars kümmert, während es auf anderen Planeten und deren Monden (Stichwort Titan!) viel interessanteres zu beobachten gäbe.

Aber erst einmal abwarten… alleine der Umstand, daß da auf dem Mars ein tonnenschweres, fahrendes Labor herumfährt und ein anderer Rover, der eigentlich nur drei Monate funktionieren sollte, seit acht Jahren unterwegs ist, ist doch faszinierend, oder?

[Update vom 6.12.: Für die letzten Neuigkeiten um die Mars-Missionen lohnt es sich in die Aufzeichnung in den Planetary Society Hangout von heute Abend mit Emily Lakdawalla und Casey Dreier hineinzuschauen, in dem alles wichtige besprochen wurde.]

Bibra-Online
4. December 2012

Es kam wie es kommen mußte… die große Mars-Sensation, in die sich die Presse in den letzten Wochen verbissen hatte, war tatsächlich eine Sensation… aber nur für die Wissenschaftler. Der Curiosity-Rover hat hauptsächlich Chlorate, Schwefel und sogar einzelne Wassermoleküle in den Proben gefunden – aber keine organischen Bestandteile. Aber doch, ein klein bißchen Überraschung muß dann doch sein: es ist auch die Rede von einem möglichen Kohlenstoff-Fund, bei dem sich die Wissenschaftler aber überhaupt nicht sicher sind, ob es sich dabei nicht doch um mitgebrachte Reste von der Erde handelt.

Für eine weitere Berichterstattung verweise ich dann lieber auf die sehr vernünftigen Artikel von Universe Today, Phil Plait und Emily Lakdawalla. Der Rest der Presse hat sich natürlich auf den Nebensatz mit dem extrem unsicheren Kohlenstoff-Fund eingeschossen – die Washington Post meldet “Mars Rover finds organic compounds, not life”, die Huffington Post hat es gar nicht verstanden und hält den Schwefel und das Chlorat für die organischen Bestandteile, Spiegel Online hat auch den Kohlenstoff als Schlagzeile, nur die Tagesschau berichtet von einem zweifelhaften Fund. Mehr schaue ich jetzt erst gar nicht mehr an, im Endeffekt ist es doch nur die Jagd nach den meisten Klicks.

Währenddessen ist die NASA aber ganz woanders auf etwas gestoßen: die Messenger-Sonde hat auf dem Merkur Hinweise auf Wassereis an den Polen gefunden und es könnte sogar organisches Material in mysteriösen schwarzen Flecken vorhanden sein. Auch das natürlich nur unter Vorbehalt, aber es ist fast noch interessanter als die Curiosity-Meldung, weil man eigentlich mit Eis auf dem Merkur, dem sonnennahesten Planeten, überhaupt nicht gerechnet hat.

Category: Bibra-Online
Computer
2. December 2012

Das ist der Grund, warum ich den Commodore 64 auch nach über zwanzig Jahren immer noch faszinierend finde: eine eigentlich ganz simple Programmzeile wie 10 PRINT CHR$ (205.5 + RND (1)); : GOTO 10 kann ein ganzes Labyrinth-Muster auf den Bildschirm bringen. Mit einem modernen PC geht das auch, aber nur auf dem alten 8-Bit-Kasten kann man das direkt nach dem Einschalten einfach eingeben und starten – das müssen Windows, MacOS, Linux & Co erst einmal nachmachen!

Tatsächlich steckt aber hinter dieser computertechnischen Einfachheit eine ganze Philosophie, die sich größtenteils auch noch bis heute fortgesetzt hat. Eine Gruppe von Programmierern hat diese kleine Programmzeile als Anlaß für ein gleichnamiges Buch genommen, an das mich heute Slashdot wieder erinnert hatte, nachdem ich vorige Tage schon den Slate-Artikel darüber gelesen hatte. Das Buch ist als Print-Ausgabe erhältlich, aber auch als kostenloser PDF-Download verfügbar – ein perfektes Geschenk füt den ersten Advent! Das kommt bei mir dann gleich auf das Android-Tablet, auf dem auch ein C64-Emulator läuft… womit sich der Kreis wieder schließt. 

10 Print… habe ich gerade erst begonnen zu lesen, aber beim ersten (virtuellen) Durchblättern fällt auf, daß es weniger ein trockenes Lehrbuch über die Kunst des Programmierens ist, sondern den Einzeiler als Startpunkt für eine interessante und unterhaltsame Reise durch die Computergeschichte der achtziger Jahre nimmt. Wer wie ich damals mit einem C64 oder einem verwandten Apparat herumgebastelt hat, wird an diesem Buch seine helle Freude haben.

Ich kann mich noch lebhaft erinnern, daß ich ganze Bücher hatte (und habe – die stehen gerade in Sichtweite vor mir im Bücherregal!), die voll von solchen kleinen Tricks, Hacks und verrückten Programmen waren. Ich bin dadurch nicht wirklich zum Programmierer geworden, aber der C64 hat bei mir die Grundlagen für ein Computer-Verständnis gelegt, ohne das ich wahrscheinlich jetzt hier nicht schreiben würde – zumindest nicht auf meiner eigenen Webseite. Irgendwann muß ich noch mehr darüber schreiben!

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Science & Astronomy
23. November 2012

Eigentlich sind es schon 107 (Mars)-Tage, die der Curiosity-Rover inzwischen auf dem roten Planeten verbracht hat, aber in den letzten Wochen war es relativ still um das Mars Science Laboratory. Der Rover hatte sich nicht viel bewegt (aber immerhin ein tolles Selbstportrait aufgenommen) und die wissenschaftlichen Ergebnisse waren außer einer Falschmeldung von Methan-Gas auf den ersten Blick nicht ganz so aufregend. Jetzt rollt Curiosity wieder, aber es herrscht auch mal wieder ganz große Aufregung, nachdem sich John Grotzinger, einer der leitenden Wissenschaftler, in einem NPR-Interview verplappert hatte und von einer analysierten Bodenprobe erzählt hat, die “earthshaking” wäre und in die Geschichtsbücher eingehen könnte.

Was ist also entdeckt worden? Das werden wir wohl erst in der am 3. Dezember geplanten Pressekonferenz erfahren, denn bis dahin wollen die Mitarbeiter des Curiosity-Teams vorsichtshalber nichts weiteres erzählen. Das ist durchaus verständlich, denn bevor eine halbgare und vielleicht falsche Ankündigung gemacht wird, wollen die Wissenschaftler auf Nummer sicher gehen. Leben auf dem Mars? Ich glaube nicht, denn eigentlich ist Curiosity gar nicht dafür ausgerüstet, Lebensformen direkt nachzuweisen. Es könnte sich allerhöchstens um irgendeine Art von organischen Molekülen handeln, aber kleine grüne Männchen werden es bestimmt nicht sein. Vielleicht ist es auch nur eine kuriose biochemische Entdeckung, die für Laien völlig unverständlich ist, aber für die Wissenschaftler enorme Bedeutung hat.

[Update vom 30.11.: Der NASA ist der Medienrummel der letzten Woche wohl ein bißchen zuviel geworden, denn in einer Zwischenmeldung wurde noch einmal deutlich gemacht, daß der Rover kein Leben oder organische Bestandteile in der Probe gefunden hat. Schade eigentlich, war aber zu erwarten.]

Auf jeden Fall erst einmal Ruhe bewahren, tief durchatmen und nicht jede sensationelle Meldung der Boulevard-Presse glauben – und erst recht nicht irgendwelchen Verschwörungstheorien! Die Spezialisten vom Wissenschafts-Ressort von Spiegel Online haben sich noch gar nicht geäußert, aber die meisten anderen großen deutschen Online-Magazinen schreiben meist von einer “historischen Entdeckung”, manche fragen aber natürlich gleich “Gibt es doch Leben auf dem Mars?”. Was bei den englischsprachigen Medien durch die Schlagzeilegn geht, grenzt auch schon fast an Kabarett (nur der Guardian bleibt realistisch), aber es ist ja auch nicht anders zu erwarten – wo noch keine Nachrichten sind, muß man sich halt selbst welche machen :-)

Bibra-Online
21. November 2012

Zuerst muß ich sagen: ich liebe die Packstationen von DHL und benutze sie schon seit über viereinhalb Jahren. Es läuft nicht immer alles wirklich rund, aber wenn ich bedenke, wieviel Pakete, Päckchen und Umschläge ich schon ohne Probleme aus der Packstation herausgeholt habe, sind die gelegentlich auftretenden Probleme nicht wirklich schlimm. Ja, es hat im Sommer auch an meiner Lieblings-Packstation hier in der Nähe nach dem Aufspielen der neuen Software ein paarmal heftige Probleme gegeben, die sogar recht kurios waren (einmal spuckte die Station hunderte von gedruckten Belegen aus!), aber im Großen und Ganzen klappt es doch gut.

Ich war natürlich auch etwas irritiert, als ich am 26. Oktober eine Email von DHL bekam, in der die Umstellung von der bisherigen Karte+PIN-Kombination auf ein mTAN-System angekündigt und die Angabe einer Mobilfunk-Nummer zur Pflicht wurde. Da ich sowieso schon meine Handy-Nummer für die SMS-Benachrichtigung eingetragen hatte, fand ich das nicht so schlimm und es war auch gerade nichts zur Packstation unterwegs, so daß ich das neue System in der Anfangsphase nicht mitbekommen habe. Es wurde zuerst noch von Problemen bei der Umstellung berichtet, aber als ich ungefähr zwei Wochen später eine Sendung mit einer mTAN abgeholt hatte, lief alles problemlos. Auch die Anfangs nicht mehr verschickten Benachrichtigungs-Emails kommen inzwischen wieder. Die Umstellung mag nicht wirklich sinnvoll sein und bestimmt auch nicht viel sicherer als die vorherige Methode, aber eine Katastrophe in Sachen Benutzerfreundlichkeit ist es ganz bestimmt nicht.

Den Vogel abgeschossen hatte aber die WAZ Mülheim letzte Woche mit einem reißerischen Artikel mit dem Titel Mülheimer kamen wochenlang nicht an ihre DHL-Pakete – aber das Problem scheint wohl weniger an DHL als an den Kunden zu liegen, die schlicht und einfach verschlafen haben, eine Handynummer anzugeben und deswegen nicht an die mTANs gekommen sind. Der Geheimtip bei Problemen scheint im Moment die Facebook-Seite von DHL zu sein, wo der Service in den Kommentaren stattfindet und die Mitarbeiter eine ganze Flut von nicht gerade freundlichen Anfragen bewältigen. Ich hatte bis jetzt aber selbst noch keinen Anlaß, mich zu beschweren (das letzte Mal war der mehrere Tage dauernde Packstation-Schluckauf im August) und kann die ganzen Horrorgeschichten nicht wirklich nachvolllziehen.

Man muß halt wissen, wie man die Packstationen benutzt – vermutlich, sind die meisten Beschwerden alleine durch die Dummheit und Ignoranz einiger DHL-Kunden entstanden und manche Empörung wurde vielleicht einfach von der Konkurrenz künstlich erzeugt. Ich werde jedenfalls die Packstation weiter benutzen – letztendlich war es dann auch wirklich nur viel Lärm um nichts.

Category: Bibra-Online, Post
Science & AstronomyWWW
18. November 2012

Früher habe ich mir aus Podcasts nichts gemacht, was aber hauptsächlich daran lag, daß ich keinen mobilen MP3-Player zur Verfügung hatte. Mittlerweile hat sich das aber geändert und seit etwa zwei Jahren wühle ich im Dschungel der Podcasts, wo ich trotz einer riesigen Menge von anspruchslosem Blödsinn einer kleinen handvoll richtigen Juwelen begegnet bin. Die Auswahl ist natürlich wie bei mir üblich absolut subjektiv, persönlich und sehr wissenschafts-lastig, aber es sind doch ein paar völlig andere Themen dabei und es ist längst nicht alles ernst und trocken. Bis auf eine Ausnahme sind wie immer gute Englisch-Kenntnisse erforderlich, aber diese Voraussetzung dürften ja auch die meisten Mitleser erfüllen. Die teils enormen Archive der vorgestellten Podcasts reichen aus, um einen MP3-Player jahrelang zu füllen.

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Science & Astronomy
9. November 2012

Diesmal habe ich zum Glück wieder daran gedacht, genauso wie in den letzten Jahren auch am 9. November, dem Geburtstag von Carl Sagan, drüben im DVDLog den Artikel über Cosmos, seine brilliante 13-teilige Fernsehserie, noch einmal zu posten. Aber jetzt will ich auch hier ein paar Zeilen über diesen außergewöhnlichen Menschen schreiben, der besonders hier in Deutschland leider viel zu unbekannt ist.

Wer war Carl Sagan eigentlich? Einer dieser langweiligen Wissenschaftler, die nur langweiliges Zeug von sich geben, das niemand versteht, der nicht vom Fach ist? Genau dieses Image von Wissenschaft, Astronomie und Kosmologie hatte der 1996 viel zu früh gestorbene Carl Sagan erfolgreich versucht zu bekämpfen. Kurz gesagt, Carl Sagan, der heute 78 Jahre alt geworden wäre, war der Erdkunde-, Chemie- und Biologie-Lehrer, den wir uns alle gerne gewünscht hätten. Seine brilliante Art, Wissenschaft zu popularisieren und dabei gleichzeitig auf einem hohen Niveau zu bleiben, war in den siebziger und achtziger Jahren praktisch einzigartig. Es war ihm gelungen, nicht nur einfach Fakten zu verbreiten, sondern auch Neugier und Skepsis zu fördern und wurde zu einer großen Inspiration für unzählige Leute.

Seine Fernsehserie Cosmos und das gleichnamige Buch, die beide vorsichtshalber den Titel A Personal Voyage hatten, waren für amerikanische Verhältnisse revolutionär, denn noch nie zuvor hatte jemand die Mysterien der Astronomie und Kosmologie so gut für Laien zugänglich erklärt. Carl Sagan war aber nicht nur ein selbsterklärter Populär-Wissenschaftler, sondern auch ein brillianter Forscher, dessen Beiträge zur planetaren Astronomie unschätzbaren Wert hatten. Er war auch einer der Gründer der Planetary Society, die noch bis heute die planetare Forschung und wissenschaftliche Bildung fördert und sein Erbe aufrecht erhält.

Seit einigen Jahren wird sein Geburtstag am 9. November als Carl Sagan Day gefeiert, was ich viel besser finde als viele andere negative Ereignisse, die mit diesem Datum verknüpft sind. Aber wie feiert man diesen Tag eigentlich? Am besten, man schmökert ein bißchen in einem von seinen Büchern oder schaut sich eine Episode von Cosmos an. Wenn man die Serie noch nicht gesehen hat, kann man sich im Carl Sagan Portal bei Youtube einige Ausschnitte anschauen – es sind auch ein paar komplette Episoden online, auf die ich aber aus rechtlichen Gründen lieber nicht verlinken möchte. Stattdessen kann ich aber die sehr günstige englische DVD der Serie empfehlen.

Die Planetary Society veranstaltet heute Abend einen Webcast zur Erinnerung an Carl Sagan, der aber leider durch die Zeitzonen-Verschiebung erst um 4 Uhr morgens in Deutschland beginnt – aber man kann sich auch später noch die automatisch generierte Aufzeichnung anschauen. [Update: Irgendwas ist da schief gelaufen – die Veranstaltung wurde nicht wie vermutet direkt als Youtube-Stream gezeigt und es wurde leider nur Ton, aber kein Video mitgeschnitten.] Mehr Carl Sagan hat Universe Today gefunden – das letzte Fernsehinterview, daß er im Mai 1996 kurz vor seinem Tod gegeben hatte. Und natürlich gibts bei Youtube noch viel mehr von ihm nicht nur aus Cosmos zu sehen, wenn man nur ordentlich sucht.

In Deutschland ist Carl Sagan aber leider Mangelware. Die meisten seiner Bücher sind zwar übersetzt worden, aber Cosmos wurde als Unser Kosmos nur 1983 ein einziges Mal vom ZDF gesendet und ist danach nie wiederholt oder auf VHS oder DVD veröffentlicht worden – sogar bei Youtube findet sich nur ein kleiner Ausschnitt davon. Englischkenntnisse sind also leider zwingend notwendig, hierzulande scheint niemand wirklich Interesse an den Werken von Carl Sagan zu haben, die ein bißchen wie ein lästiges Pflichtprogramm behandelt werden, aber in Wirklichkeit noch viel, viel mehr sind.

Wenn mir aber jetzt jemand sagt, daß das doch wirklich niemanden interessiert, kann ich nur fragen: Where’s your sense of wonder? – was sich leider nur schlecht übersetzen läßt, aber ungefähr bedeutet: Wo ist dein Sinn für Neugier?

NewsWWW
7. November 2012

Eigentlich schreibe ich ja hier grundsätzlich nichts politisches, aber ab und zu kann ich ja mal eine Ausnahme machen. Vor vier Jahren hatte ich schon einmal gefragt, ob mich mal jemand kneifen kann, und jetzt fühle ich mich fast wieder genauso. Im Ernst, ich hatte wirklich das schlimmste befürchtet, ganz besonders nach dem wirklich gräßlichen Wahlkampf und dem blanken Haß, der sich aus den rechten Ecken Barack Obama in den letzten vier Jahren entgegengestellt hat. Aber es ist jetzt nicht nur einfach “noch einmal gutgegangen”, sondern es hat trotz allem noch eine deutliche Mehrheit für Obama gegeben.

Jetzt kann die Welt wieder aufatmen, denn es wäre haushoch untertrieben zu sagen, daß uns das alles nichts angeht. Bei dem massiven Einfluß, die die amerikanischen Außen- und auch Innenpolitik auf den Rest der Welt hat, müßten wir eigentlich alle mitwählen dürfen. So ist das “amerikanische Ausland” aber auf die Vernunft der Amerikaner angewiesen, die trotz der Schlammschlacht aus dem rechten Spektrum die richtige Wahl getroffen haben. Man mag sich gar nicht vorstellen, was eine Romney-Präsidentschaft für den Rest der Welt bedeutet hätte… Barack Obama mag zwar auch kein Heiliger sein und ist gerade aus europäischer Sicht weit davon entfernt, ein Liberaler zu sein, aber wenn man die Alternative bedenkt, ist Obama schlicht und einfach die bessere Wahl.

Ich könnte jetzt noch ein paar Tonnen Links zu Nachrichtenartikeln hier einbauen, aber ich lasse es lieber sein, sonst werde ich heute gar nicht mehr fertig. Es gibt eigentlich nur noch zu erwähnen, daß die Berichterstattung der US-Presse mal wieder größtenteils völlig abgedreht war und sich insbesonders Fox News ein paar nette Klöpse geleistet hat. Hier in Deutschland wars halt wieder mal durchwachsen – natürlich hat gerade SpiegelOnline mal wieder nichts anderes zu tun, als Obama sofort schlecht zu reden und andere scheinen so gar nicht zu wissen, wovon sie überhaupt reden – aber das ist ja nichts neues und war ja auch zu erwarten.

Jetzt aber wieder zurück zum Business as Usual, keine Politik mehr. Diese Woche werde ich noch einen kleinen Artikel über ein paar Podcasts schreiben, im Fotoblog gibts noch mehr Bilder und im DVDLog kommt am Sonntag oder Montag der zweite Teil der Tati-Neuauflagen. Danke füs Lesen :-).

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NewsWWW
30. October 2012

Als Unbeteiligter weiß man nicht so recht, ob man von der massiven Naturgewalt vom Hurricane Sandy fasziniert oder entsetzt sein soll, aber bei der massiven Zerstörung, die der Wirbelsturm an der Ostküste der USA hinterlassen hat, ist wohl mehr letzteres angebracht. Das Web ist als Nachrichtenquelle in solchen Situationen ideal und gerade bei Katastrophen wie dieser verfolge auch ich das Geschehen gerne auf vielen Nachrichtenseiten – die Grenze zwischen Information und Sensation ist dabei aber schnell überschritten und gerade heute gab es dabei ein paar ganz erschreckende und geschmacklose Beispiele.

Ausgerechnet die rennomierte und eigentlich sonst sehr sachliche Financial Times Deutschland hatte sich heute Mittag einen richtigen Kracher geleistet: der Aufmacher auf der Hauptseite präsentierte stundenlang “Wie ‘Sandy’ das Web durchspült […] Die besten Fundstücke, zusammengestellt von…”. Inzwischen ist der Artikel ein bißchen nach unten gerutscht und inhaltlich auch gar nicht so schlimm, aber wenn Millionen Menschen ohne Strom sind, ganze Stadtteile unter Wasser stehen und es mindestens 15 Tote gegeben hat, sollte man lieber nicht eine hastig zusammengegoogelte Sammlung von Youtube-Videos und Twitter-Postings auf der Hauptseite als “beste Fundstücke” raushängen – das ist einfach nur noch allerunterstes Bildzeitungs-Niveau. Auch andere Magazine haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, aber die FTD war diesmal ganz vorne dabei – und der Tag ist ja noch nicht zu Ende, wer weiß, was heute Abend noch alles geschrieben wird.

Bitte, liebe deutsche Journalisten, nehmt euch ein Beispiel an den seriösen englischsprachigen Medien wie der Washington Post, der New York Times und nicht zuletzt auch dem Guardian, die zwar alle ihre Artikel mit viel Bildern und Videos bestückt haben, aber längst nicht so sensationslüstern sind und das Social Web nicht nur einfach plündern, sondern mit ihm gemeinsam arbeiten. Überhaupt haben Twitter, Facebook, Google+ und andere Blognetzwerke in der Krise eine erstaunliche selbstreinigende Kraft entwickelt, denn mittels spontanem Crowdsourcing werden gefälsche Beiträge und Bilder oft schneller entlarvt als sie entstehen können. Einen interessanten Artikel hatte The Atlantic darüber schon gestern gepostet und es war das gleiche Magazin, das daran erinnert hat, wie der Journalist Dan Rather 1961 das erste Radarbild eines Hurrikans im amerikanischen Fernsehen gezeigt hat – und damit Menschenleben retten konnte.

Ich habe so einen Sturm noch nie selbst erlebt und hoffe, daß ich so etwas auch nie erleben muß, aber Europa wird in spätestens einer Woche die Auswirkungen von Sandy auch noch zu spüren bekommen. Ich will nicht hoffen, daß es irgendwann nochmal einen Kyrill-Artigen Sturm gibt, aber ob dann die deutschen Medien immer noch die “besten Fundstücke” zusammenstellt, wage ich doch zu bezweifeln…

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