Archive Science & Astronomy
Science & Astronomy
21. September 2012

Morgen, am Samstag, dem 22. September findet die International Observe the Moon Night statt – wenn das Wetter mitspielt! Wir haben dieses Jahr schon ganz schön viel den Mond beobachtet, sowohl durchs Fernglas als auch durchs Teleskop, so daß ein wolkenverhangener Himmel nicht unbedingt eine Katastrophe wäre. Für das Ruhrgebiet sieht der Wetterbericht aber halbwegs positiv aus – tagsüber soll es regnen, aber abends aufklaren. Der Mond geht in Deutschland um kurz nach 15 Uhr auf, erreicht um 19:20 den Transit und ist um 23:40 untergegangen – also nicht zu spät mitten in der Nacht. Mal schauen, ob wir hier was sehen können. Ansonsten habe ich noch jede Menge Mond-Bilder aus den letzten Wochen übrig, die ich vielleicht demnächst mal drüben auf dem Foto-Blog posten werde.

Wenn der Himmel absolut dicht ist, kann man aber immer noch woanders zuschauen – CosmoQuest, UniverseToday & Co werden morgen den ganzen Tag über mehrere Google+ Hangouts veranstalten, die alle auf dieser Event-Seite zu sehen sein werden. Es gibt sicher noch andere Veranstaltungen, aber wie ich ja schon öfter gesagt habe, können es diese Leute einfach am Besten und Google+ ist dafür einfach ein fantastisches Werkzeug. Ich werde zwischendurch dort auch mal reinschauen und wenn mir wirklich Morgen Abend ein frisches Mond-Foto gelingt, werde ich das dann auch irgendwie posten.

[Edit 22.9.: Mission accomplished! Wenigstens ein kleines bißchen :-)]

Ach ja, und noch was ganz anderes: Emily Lakdawalla hatte sich das auf einer Boeing 747 transportierte Shuttle Endeavour beim Zwischenstop auf der Edwards Air Force Base anschauen können und hat eine Reihe von fantastischen 3D-Fotos gemacht!

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20. September 2012

Mittlerweile ist es schon fast anderthalb Monate her, daß Curiosity alias das Mars Science Laboratory wohlbehalten auf dem roten Planeten gelandet ist. 43 Marstage in die Mission hinein ist schon einiges passiert, denn das fahrende Laboratorium hat schon einen ausführliche interplanetare TÜV-Prüfung abgelegt, schon ein wenig Forschung betrieben, aber sich vor allem in Bewegung gesetzt: Curiosity ist inzwischen fast 300 Meter gefahren und hat damit schon die Hälfte zum ersten wissenschaftlichen Ziel Glenelg zurückgelegt. Das mag sich nicht nach besonders viel anhören, aber man sollte nicht vergessen, daß Curiosity nicht in der Wüste von Pasadena, sondern auf dem Mars herumfährt!

Ich möchte an dieser Stelle auch gar nichts großartig über Curiosity erzählen, sondern lieber darauf hinweisen, wo richtig über die neueste Mars-Mission berichtet wird – meine Mars-Linkliste vom August ist natürlich immer noch gültig, aber es gibt noch ein paar andere interessante Sachen. Für die Ereignisse bis Mitte letzter Woche kann ich die Aufzeichnung der CosmoQuest Astronomy Hour vom 12. September empfehlen, ein einstündiger Google+ Hangout mit Emily Lakdawalla von der Planetary Society und Fraser Cain von Universe Today – Emily war wenige Stunden zuvor auf der aktuellen JPL-Pressekonferenz und hat sozusagen aus erster Hand berichtet. Für noch aktuellere Informationen siehe auch ihr Blogposting Curiosity sol 43 update.

Ich hatte bei der Gelegenheit auch gleich die Frage gestellt, ob es schon Neuigkeiten von dem bei der Landung beschädigten Windsensor gab, über den Spiegel Online so reißerisch berichtet hatte (“lädiertes Mars-Auto”, “Die Expedition werde allerdings erschwert […]”). Einer der zwei Windsensoren ist wirklich kaputt, aber was genau passiert ist, wird aufgrund der ungünstigen Position des Sensors im Moment noch nicht herauszufinden sein, weil er mit dem Kamera-Arm nicht besonders gut erreichtbar ist. Aber eine Katastrophe ist das natürlich überhaupt nicht, lediglich gezielte Windmessungen sind dadurch etwas schwierig.

Tja, was gabs noch? Ach ja, Curiosity wurde inzwischen auch als sehr gelungenes Lego-Modell gebaut! Im Moment gibt es das nur als Bauanleitung und Modell für den Lego Digital Designer, aber mit 10.000 Unterstützern auf der Lego Cuusoo-Seite sind die Chancen nicht schlecht, daß es den Mars-Rover vielleicht irgendwann auch als Lego-Set zu kaufen geben wird – die beiden Vorgänger gibt es ja immerhin schon.

Eigentlich wollte ich noch was zum Thema Google+ Hangouts schreiben, die wir ja seit Mitte August auch hier in Deutschland endlich live und nicht nur in den Aufzeichnungen sehen können, aber jetzt ist der Artikel so lang geworden, daß ich das demnächst mal in einem separaten Posting unterbringen werde. An dieser Stelle als Schlußwort nur der kurze Hinweis, daß sich die Hangouts von Universe Today, Astronomy Cast und CosmoQuest wirklich lohnen – eine Art Fernsehprogramm gibts im Online-Kalender von CosmoQuest.

Science & Astronomy
26. August 2012

Der erste Mensch, der einen Fuß auf den Mond gesetzt hat, ist gestern im Alter von nur 82 Jahren gestorben. Neil Armstrong hätte aber es aber gar nicht gefallen, wenn man ihn nur auf diese Rolle reduziert, denn er war immer einer der bescheidensten und privatesten aller amerikanischen Astronauten. Das Statement seiner Familie sagt eigentlich alles, dort heißt es unter anderem: “Neil Armstrong was also a reluctant American hero who always believed he was just doing his job.” 

Trotzdem wird Neil Armstrong natürlich immer mit dem Mond in Verbindung bleiben und auch das hat seine Familie auf eine wirklich liebevolle Art ausgedrückt: “For those who may ask what they can do to honor Neil, we have a simple request. Honor his example of service, accomplishment and modesty, and the next time you walk outside on a clear night and see the moon smiling down at you, think of Neil Armstrong and give him a wink.”

Neil Armstrong war Astronaut, amerikanischer Held… und ein richtiger Mensch mit viel Mut und Entschlossenheit, was ihn besonders sympathisch gemacht hat.

Science & Astronomy
22. August 2012

Ich habe ja schon oft darüber geschrieben, daß das Wissenschafts-Ressort von Spiegel Online ziemlich technikfeindlich ist und gerne auf die NASA schimpft, wie es vor einigen Jahren bei der Berichterstattung über den Phoenix-Lander schon deutlich zu spüren war. Erstaunlicherweise war davon bei den spannenden Nachrichten um den Curiosity-Rover bisher noch nichts zu spüren – bisher! Denn heute gings dann doch los: Lädiertes Mars-Auto startet Expedition hieß heute die reißerische Schlagzeile, die schon ein verbogenes Rad oder ähnliche Katastrophen erahnen lassen sollte. Aber was war wirklich passiert?

Wie immer muß man auf vernünftige Quellen wie z.B. Emily Lakdawallas Berichterstattung auf dem Blog der Planetary Society zurückgreifen, um zu erfahren, was wirklich los ist: eins der beiden Windmeßgeräte war offenbar bei der Landung durch fliegenden Schotter beschädigt worden und funktioniert nicht mehr. Das ist aber nur halb so wild, da zwar eine geplante detaillierte Windmessung mit zwei Sensoren nicht möglich ist, aber immer noch ein zweiter Sensor vorhanden ist. Die Expedition ist deshalb keineswegs dadurch “erschwert” worden, wie Spiegel Online schreibt und auch die “heftigen Winde” sind keine große Gefahr für den Rover.

Über das wichtigste hat Spiegel Online, deren Wissenschafts-Redaktion offenbar schon um halb fünf Feierabend macht, heute dann auch gar nicht mehr berichtet (ok, gegen 22:45 war dann doch dieser Artikel online, aber immer noch mit Schwerpunkt auf dem kaputten Windmesser): Curiosity hat erfolgreich die ersten Meter zurückgelegt und ein 3D-Foto von den Spuren (zusammengebaut von Emily Lakdawalla) gibt es auch schon. Die Pressekonferenz vom JPL ist gerade in diesem Moment noch im Gange – ein Kommentar zum PanoramaThis is a historic photo because there’s only one place on Mars where your tracks start.

Reifenspuren auf dem Mars, das muß man sich mal vorstellen. Science-Fiction, oder was? Und Spiegel Online nennt es ein “lädiertes Mars-Auto”. Deutscher Qualitäts-Journalismus am Werk.

Science & Astronomy
19. August 2012

Dieses Jahr sah es eigentlich mit richtigem Sternengucken eher schlecht aus, aber vor ein paar Tagen hatten wir mit den Sternschnuppen ja richtiges Glück. Und gestern Abend, in der bestimmt heißesten Nacht des Jahres, war der Sternenhimmel besonders spektakulär. Eigentlich wollte ich ja nur die ISS fotografieren (was auch gelungen ist, das Bild poste ich demnächst irgendwann drüben im Fotoblog), aber dann wurde die Sicht immer klarer und klarer. Da blieb eigentlich nur übrig, diese selten Chance zu nutzen und mal wieder richtig den Sternenhimmel zu beobachten.

Eigentlich bin ich ein richtiger Astronomie-Dummy, obwohl ich ja schon lange ein kleines 70/700-Newton-Teleskop besitze und auch öfter mal benutze – aber speziell mit Sternbildern habe ich immer noch Probleme. Immerhin ist es mir gelungen, neulich ein im Sommer im nordöstlichen Sternenhimmel zu sehendes “Dreieck” zu identifizieren – zusammen mit zwei anderen Sternen ist es das Sternbild Kassiopeia, das zu meinem großen Erstaunen nicht nur uns seit langem schon als wiederkennbares Himmelsobjekt aufgefallen ist.

Gestern Abend war es aber noch viel besser: das Teleskop hatten wir erst gar nicht rausgeholt, aber dafür mit dem guten, alten 8×40-Fernglas den Himmel abgesucht. Damit sieht man unglaublich viel, der Satz “My God, it’s full of Stars!” ist dabei sogar noch eine Untertreibung. Erstaunlicherweise konnten wir sogar mehrere Satelliten beobachten, die wie bewegliche Sterne über den Himmel zogen, aber mit bloßem Auge überhaupt nicht zu sehen waren. Und dann haben wir auch noch die Andromeda-Galaxie wiedergefunden, über deren überraschende Sichtung ich letztes Jahr geschrieben hatte. Die Krönung waren dann aber noch drei Sternschnuppen, eine davon ein richtiger Bolide, die offenbar noch von den Perseiden übriggeblieben waren.

Alles in allem ein ganz faszinierender Abend, mit dem wir gar nicht gerechnet hatten. Mal schauen, was der Spätsommer noch so bringt… keep watching the Skies! :-)

Science & Astronomy
11. August 2012

Ob es dieses Jahr klappt? Ungefähr ab heute Nacht ist wieder der Perseiden-Meteorschauer zu sehen, vorausgesetzt das Wetter macht nicht wieder einen Strich durch die Rechnung wie im letzten Jahr. Ich hoffe, daß wir diesmal etwas Glück haben und es keine wolkige Enttäuschung gibt, zumal die Perseiden dieses Jahr besonders stark in Erscheinung treten sollen. Gestern abend habe ich zwar die ISS und sogar zwei Cosmos-Satelliten sehen können, aber noch keine Sternschnuppen. Der Wetterbericht sieht aber ganz vielversprechend aus, auch wenn es eigentlich zu kalt ist, um draußen zu sitzen. Aber was man nicht alles für eine Sternschnuppen-Sichtung tut… Daumen drücken und viel Glück für alle Beobachter! :-)

[Update vom 13.8.: Jaaaaa, es hat geklappt! Wir haben zumindest eine kleine handvoll Sternschnuppen gesehen, ein paar davon waren sogar richtig hell. Vielleicht klappts heute Abend ja noch ein drittes Mal! War nix, da kamen dann doch die Wolken und der Regen. Naja, immerhin konnten wir vorige Tage überhaupt ein paar Sternschnuppen sehen, das ist ja auch schonmal was wert!]

Science & Astronomy
8. August 2012

Seit der gestrigen Landung des Curiosity-Rovers kommen die tollen Nachrichten Schlag auf Schlag: erste Schwarzweißbilder, ein Video(!) und ein Bild aus dem Orbit von der Landung – und sogar schon das erste Testbild in Farbe… man kommt gar nicht mehr nach und ich werde auch erst gar nicht versuchen, davon hier im Einzelnen zu berichten. Stattdessen habe ich in diesem Artikel eine kleine Liste mit den wichtigsten Webseiten zum Thema zusammengestellt, damit sich jeder die Neuigkeiten selbst zusammensuchen kann.

NASA-Webseiten – die offizielle Seite
Mars Science Laboratory @ JPL – Die wichtigste, immer aktuelle Quelle beim JPL
Mars Science Laboratory Raw Images – Hier gibt es die Rohbilder von den Rover-Kameras
Mars Science Laboratory @ NASA – NASAs eigene Webseite, hat manchmal anderes Material
NASA Hauptseite – Auch hier gibts manchmal aktuelle Neugkeiten
NASA Television – Live-Stream des laufenden Programms
NASA Television @ Youtube – Video-Archiv der wichtigsten Sendungen

Andere Webseiten – die inoffiziellen machen es oft besser!
Universe Today – Manchmal noch aktueller als die NASA selbst und immer spannend zu lesen
Universe Today @ Youtube – Hier sind u.a. die Aufzeichnungen der GooglePlus-Hangouts zu sehen.
Bad Astronomy – Phil Plaits Blog, eine ideale Ergänzung zu UT
Planetary Society Blog – Emily Lakdawalla’s detaillierte Berichterstattung
Curiosity Raw Images Browser – Besser geordnete Übersicht aller Rohbilder inklusive RSS-Feed
Mars Ogler – Noch ein Browser für die Rohbilder von Curiosity
Martian Vistas – Bearbeitete Bilder und Panoramen von allen Mars-Rovern
HiRISE Image Catalog – Hochauflösende Bilder aus dem Orbit (auch mit RSS-Feed)

Twitter-Streams –  weil es manchmal dort zuerst steht
Curiosity-Rover – NASAs offizieller Twitter-Stream
Mars Rovers – Gemeinsamer Stream der Mars-Rover
Universe Today – Nicht nur Ankündigungen von der Webseite
Pamela L. Gay – Astronomin, AstronomyCast-Cohost
Emily Lakdawalla – Planetary Society-Bloggerin
Brian Cox – Ein gewisser Prof aus Manchester
Neil deGrasse Tyson – Astronom und generell kluger Mensch

Das wars erstmal für den Anfang. Wahrscheinlich habe ich noch einiges vergessen, aber das sind die Seiten, die ich im Moment täglich abklappere. Wenn mir noch mehr einfallen, werde ich das Posting noch ergänzen – aber jetzt ist hier erst einmal die Mars-Berichterstattung zu Ende und wird allerhöchstens bei ganz sensationellen Ereignissen noch einmal wiederkommen (was ganz bestimmt passieren wird!).

Updates:
27.09.12 » HiRISE-Katalog und Curiosity Raw Images Browser hinzugefügt
03.10.12 » Mars Ogler hinzugefügt

Science & Astronomy
6. August 2012

Der Curiosity Rover hat es wirklich geschafft – der eine Tonne schwere Mars-Truck hat heute Morgen eine Bilderbuch-Landung auf dem roten Planeten hingelegt! Nach acht Monaten und 567 Millionen Kilometern ist der neue Mars-Rover trotz des verrückten Landemanövers heil angekommen und hat schon wenige Minuten nach der Landung die ersten Bilder aufgenommen. Die sind zwar noch in Schwarzweiß und niedriger Auflösung, aber der Landeplatz ist schon ganz gut erkennbar, wenn auch auf den ersten Blick unspektakulär – man sollte aber nicht vergessen, daß das nicht die Schutthalde von Wanne-Eickel, sondern derMars ist!

Bei solchen Ereignissen bin ich immer froh, daß ich das miterleben kann – es ist nicht die erste Landung eines Mars-Rovers, die ich mitbekomme, aber es ist jedes Mal spannender und faszinierender, besonders weil sich die Technik ständig weiterentwickelt hat. Sogar 1997 (das war vor fünfzehnJahren!) beim Mars Pathfinder konnte man die ersten Bilder nicht nur im Fernsehen, sondern auch schon quasi in Echtzeit im Web sehen und 2004 wurde es mit Spirit und Opportunity nur noch besser. Die NASA hat inzwischen gelernt, wie man vernünftige Webseiten macht und sogar NASA TV ist in einer halbwegs ordentlichen Auflösung im Web anschaubar.

Man ist aber längst nicht mehr nur auf das angewiesen, was die NASA im Web macht, denn Andere können es genauso gut und oft besser. Das beste Beispiel dafür sind die Leute von Universe Today, Bad Astronomy & Co, die wie versprochen zur Curiosity-Landung eine Virtual Landing Party veranstaltet haben, deren Aufzeichnung bei Youtube anschaubar ist. Vor fünfzehn Jahren wäre das vielleicht sogar noch Science Fiction gewesen, aber jetzt ist es Realität geworden – die Technik machts möglich! Die nächsten Wochen, Monate und sogar Jahre werden Mars-mäßig richtig spannend werden – nicht nur wegen der vielen faszinierenden Bilder, die schon demnächst kommen werden, sondern auch wegen der Wissenschaft. Die Chancen, ob das Mars Science Laboratory wirklich Hinweise auf Wasser oder sogar Leben finden wird, sind natürlich 50/50, aber alleine der Versuch zählt!

Und wenn mich jetzt noch jemand fragt, was das alles soll, kann ich nur noch mit einem Satz antworten, den ich öfter verwende: “Where’s your Sense of Wonder?”

Science & Astronomy
31. July 2012

Seit November letzten Jahres ist er unterwegs und nächste Woche Montag ist es soweit: das Mars Science Laboratory alias der “Curiosity Rover” landet am 6. August um 5:31 UTC (7:31 CET). Die letzte Kurskorrektur ist erfolgreich verlaufen und 48 Stunden vor der Landung gibt es noch einmal eine Chance, aber bis jetzt sieht alles perfekt aus. Das schwierigste steht der neuesten Generation der Mars-Rover allerdings noch bevor: die Landung, die zu den gewagtesten und ungewöhnlichsten Manövern in der Geschichte der NASA gehört…

[Edit 6.8.: Curiosity has landed, I repeat: Curiosity has landed! :-)]

Es ist noch nicht einmal das Abbremsen in der Atmosphäre, was so gefährlich klingt, sondern die Art, mit der der Rover auf der Oberfläche abgesetzt werden soll. Während frühere Mars-Landungen immer gut gepolstert auf dem Boden aufschlugen, wird die Raumfähre ihre Geschwindigkeit nach dem Aerobraking und einem Fallschirm mit Raketen über dem roten Planeten schweben und zwanzig Meter über der Oberfläche den Rover an einem “Skycrane” an Kabeln aufgehängt absetzen. So etwas hat es noch nie zuvor gegeben und es klingt so unglaublich, daß man sich das unbedingt ansehen muß:

Gestern hat die NASA ein fantastisches kleines Videos veröffentlicht, dessen Sprecher niemand geringer als ein enthusiastischer Wil Wheaton ist. (Es gibt auch eine identische Version mit einem völlig lustlos nuschelnden William Shatner, die aber eigentlich gar nicht erwähnenswert ist). Das vierminütige Video ist auf jeden Fall interessanter und spannender als die einstündige BBC-Sendung aus der Horizon-Reihe von gestern Abend, die aus relativ wenig Information und viel unnötiger Show und nerviger Musik bestand. Wo ist eigentlich Brian Cox, wenn man ihn braucht? :-)

Curiosity hat natürlich wie jedes respektable interplanetare Raumgefährt einen eigenen Twitter-Account, aber die Tweets sind auch auf dem gemeinsamen Account der Mars-Rover zu lesen. Gut gelungen ist die Countdown-Seite Curiosity Will Rock The World, die nicht nur eine schicke Animation des landenden Rovers zu bieten hat, sondern auch jede Menge interessanter Informationen.

Wird Curiosity das Unmögliche schaffen und eine perfekte Mars-Landung hinlegen? Am Montag Morgen werden wir es herausfinden, aber ich werde wahrscheinlich wegen der ungünstigen Zeit wohl nicht live zuschauen können. NASA TV ist natürlich dafür die erste Anlaufstelle und wie ich gehört habe, werden die Crew von Universe Today, Astronomy Cast & Co offenbar einen Google+ Live Hangout veranstalten, den wir hier aus Deutschland natürlich wegen der Sperrung der Youtube-Livestreams nur mit komplizierten Mitteln sehen können. Immerhin kann man sich ja später die Aufzeichnungen anschauen.

Für alle, die nicht live zuschauen können, ist aber trotzdem Daumendrücken angesagt – ich bin ja persönlich davon überzeugt, daß Curiosity es schaffen wird!

Science & Astronomy
4. July 2012

Heute haben sich die Medien mal wieder so richtig schön überschlagen, obwohl niemand so richtig eine Ahnung davon hatte, was wirklich los war. Das CERN hat mit Hilfe des Large Hadron Colliders das Higgs-Boson gefunden, das Gottes-Partikel! Naja, nicht so ganz, denn im Moment nennen sie es noch ein Higgs-ähnliches Partikel, da die Ergebnisse der Tests noch bei 99,99% und noch nicht 100% sind, aber letztendlich dürfte es das jetzt wirklich sein. Ich will jetzt erst gar nicht versuchen zu beschreiben, was die Entdeckung des Higgs Boson für die Wissenschaft bedeutet, weil ich mich damit genauso blamieren würde wie so manche Berufsjournalisten es heute geschafft haben (Universe Today ist wie immer ein lobenswertes positives Beispiel), aber eine Erwähnung ist mir das trotzdem wert.

Aber warum eigentlich God Particle? Ein alter Artikel im Guardian von 2008 erzählt die Geschichte der Namensgebung: es war nicht einmal Peter Higgs, nachdem das Partikel benannt wurde, sondern Physiker Leon Lederman, der auf die Idee gekommen war – oder besser sein Editor, der ihn das schwer zu findende Teilchen nicht das Goddamn Particle nennen lassen wollte. Wäre ja auch viel zu frech und unwissenschaftlich gewesen. Mit dem sogenannten lieben Gott hat das aber alles sowieso herzlich wenig zu tun, aber die Washington Post hat es mit ihrer Artikelüberschrift erstaunlich gut getroffen: Scientists discover new subatomic particle at the center of everything.

Boing Boing hat eine schöne Twitter-Zusammenstellung der besten Higgs-Witze gepostet. Gleich der erste gefällt mir am besten – Neil deGrasse Tyson hat geschrieben: “On the day we reserve to tell ourselves America is great – July 4 – Europe reminds us that we suck at science.