Die Medien waren im August ganz schön aus dem Häuschen, als der erste Progress-Transporter zur Internationalen Raumstation nach dem Ende der Shuttle-Ära abgestürzt war. Tatsächlich war die längerfristige Zukunft der ISS in Gefahr, aber eine sensationelle Meldung jagte die andere und es wurde schon eine menschenleere Raumstation prophezeit – sogar ein feuriger kontrollierter Absturz wie beim Vorgänger Mir wurde heraufbeschwört. Alles kam darauf an, daß die russische Raumbehörde die Fehlfunktion der Soyuz-Rakete reparieren konnte – was letztendlich auch gelungen war. Der erste unbemannte Frachtflug hatte schon Anfang November geklappt und obwohl Baikonur erst vorige Woche mit dem mißlungenen Start von Phobos-Grunt wieder einmal negativ in die Schlagzeilen geraten war, hat Roscosmos das geschafft, was viele bezweifelt hatten: der erste bemannte Flug hat die neue ISS-Expedition zur Raumstation gebracht.
Gestartet mitten in einem Schneesturm – etwas, was die NASA nie erlauben würde, aber in Baikonur wohl zur Tagesordnung gehört – hat die Soyuz-Rakete hervorragend funktioniert und damit praktisch die Zukunft der ISS gerettet. Aber auch wenn das Raketen-Problem nicht so schnell hätte gelöst werden können, wäre die ISS damit noch lange nicht verloren gewesen – eine Unterbrechung der bisher permanenten Stations-Besatzung wäre wohl das schlimmste gewesen, was passiert wäre. Fünf Tage später hätte die Raumstation verlassen werden müssen, weil die Lebensdauer der Soyuz-Raumschiffe begrenzt ist – es war knapp, aber genauso war es geplant. Am 21. November wird die eine Hälfte der sechsköpfigen Crew wieder zur Erde zurückkehren und etwa einen Monat lang, bis kurz vor Weihnachten, wird die ISS temporär wieder nur mit drei Leuten besetzt sein – danach wird die Besatzung aber wieder auf sechs Astro- und Kosmonauten aufgestockt.
Zur Daseinsberechtigung der ISS kann man außer zahllosen wissenschaftlichen Argumenten auch Bilder und Videos wie dieses zählen, das vorige Tage überall gepostet wurde und wie ich finde auch an dieser Stelle noch einmal eine Wiederholung verdient hat.
Während die ISS nun erstmal gerettet ist, wird woanders im Erdorbit tatsächlich eine zweite Raumstation gebaut: die ersten beiden Elemente der chinesischen Tiangong-1 wurden zusammengekoppelt. Allerdings bisher noch unbemannt, aber die ersten Menschen sollen schon nächstes Jahr dort hochfliegen, was sehr wahrscheinlich erscheint, da der chinesische Raumbehörde früher schon drei erfolgreiche bemannte Raumflüge geglückt war. Chinesische Übermacht auch im Weltraum? Warum sollen die Chinesen denn keine Raumstation bauen dürfen?
Ach ja, und dann war da noch dieser Brocken namens YU55, der neulich an uns vorbeigetrudelt ist. Spannend war es schon, aber wirklich berechtigt waren das relativ große Medienspektakel und die dummen Verschwörungstheorien eigentlich nicht. Ja, der 400 Meter große Asteroid hätte die Erde treffen können, aber man kann ja nicht umsonst die Umlaufbahnen von solchen Felsbrocken genau vorausberechnen – und so war schon Monate, wenn nicht Jahre zuvor klar, daß von diesem Asteroid keinerlei Gefahr ausgeht.
Soviel zum Thema Wissenschaft, Astronomie und Co. – vielleicht komme ich demnächst ja auch dazu, mal wieder öfter etwas zum Thema zu schreiben, solange die neue Computer-Hardware nicht wieder den Geist aufgibt!