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12. December 2012

Da hat Google ja mal wieder was angerichtet! Letzte Woche zum Nikolaustag ist Google+ um eine auf den ersten Blick unscheinbare Funktion erweitert worden: die Communities. Es ist eigentlich nur eine Erweiterung der Circles, aber dadurch ist Google+ zu einem mächtigen Diskussionsforum-Provider geworden – seit ein paar Tagen sprießen die Communities wie verrückt aus dem Boden und wahrscheinlich wird es noch einige Zeit dauern, bis sich alles etwas beruhigt hat. Aber der allgemeine Enthusiasmus ist ansteckend und ich überlege schon seit Tagen, wo ich mitmachen soll… ich nenne sowas einen Timesink, eine Beschäftigung die ganz schön Zeit rauben kann, aber auch wirklich interessant und nützlich sein kann.

Mal schauen, wie das weitergeht. Weder Google+ noch die Communities sind aber das Ende von der traditionellen Webseite – die meisten Leute, die bei Google+ posten, haben ihre eigenen Seiten und nutzen den Dienst zur Vernetzung. Man muß ja nicht seinen Content komplett auf die Google-Server verlegen, ganz im Gegenteil! Verlinken und Entdecken ist alles, aber es gibt auch denjenigen eine Chance mitzumachen, die nicht die Möglichkeit oder Zeit haben, sich um eine eigene Webseite zu kümmern. Ich halte das mit meinen Sachen so, daß ich grundsätzlich nur Links oder bei Fotos Previews poste und den kompletten Content dann auf meinem eigenen Webspace lasse – ich denke, das ist ein guter Kompromiß.

Natürlich hat Google mit den Communities nicht irgendwas völlig neues erfunden. In den neunziger Jahren hat man sich in Mailboxen und im Fidonet getroffen, dann später im Usenet und dann in verschiedenen Webforen, wobei letztere beide ja immer noch ganz lebendig sind. Es ist aber ganz logisch, daß ein Dienst wie Google+ auch eine Foren-Funktion mitbringt, mit deren Hilfe sich die User noch besser untereinander austauschen können. Ich denke, daß ganze wird noch eine riesige Eigendynamik entwickeln, wenn sich der erste Sturm etwas gelegt hat.Zur Anarchie werden die Communities bestimmt nicht, denn so etwas hat sich schon immer selbst reguliert und jede Gruppe hat ja auch enen Besitzer und Moderatoren.

Wer sich aber darüber beschwert, daß Google nur Daten sammeln will und für alle seine Dienste jetzt nur noch einen Login mit Realnamenpflicht eingeführt hat, dem kann ich nur sagen: es wird niemand gezwungen, sich bei Google zu registrieren. Es ist ein Angebot einer kommerziellen Firma,  das niemandem aufgezwängt wird, der nicht mit den Nutzungsbedingungen einverstanden ist.  Realnamenpflicht hatte es schon vor zwanzig Jahren im Fidonet gegeben, wer anonym herumstänkern will, muß sich halt einen anderen Marktplatz zum herumschreien aussuchen.

Einen Nachteil haben die Google+ Communities aber noch: bis jetzt gibt es sie nur in der Desktop Version und noch nicht in den mobilen Apps. Aber ich schätze, daß Google daran noch vor Ende des Jahres etwas ändern wird. [Update vom 15.12.: Das ging schneller, als ich gedacht hatte – Version 3.3 der Android-App hat jetzt auch die Communities drin und es hat gestern auch viele andere Updates nicht nur in den Mobile-Apps gegeben!]

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